Ballschule – leicht gemacht

Hintergrund

Ausgangspunkt des Projekts ”Ballschule – leicht gemacht” waren bedrückende Statistiken. 15% der Kinder und Jungendlichen in Deutschland sind nach einer Studie des Robert Koch-Instituts übergewichtig oder adipös. Besonders betroffen sind Kinder mit Migrationshintergrund, Minoritäten und Kinder aus Familien mit einem niedrigen sozio-ökonomischen Status. Im Vergleich mit deutschen Kindern und Jugendlichen finden sich für Migranten in allen sozialen Schichten doppelt so hohe Prävalenzzahlen für Adipositas, eine signifikant längere Medienzeit, ungesündere Ernährungsgewohnheiten und weniger sportliche Aktivitäten. Übergewicht und in noch stärkerem Ausmaße Adipositas führen dazu, dass die betroffenen Kinder im motorischen Bereich in der Regel schlechter abschneiden als ihre normalgewichtigen Altersgenossen. Die Leistungsdifferenzen zwischen normal- und übergewichtigen bzw. adipösen Kindern treten bereits im Kindergartenalter auf und vergrößern sich mit dem Alter, was die Bedeutung einer frühzeitigen Prävention bzw. Therapie unterstreicht. Zusätzlich ist Adipositas mit einem erhöhten Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen assoziiert und kann die Kinder psychisch stark belasten.

Das Ziel der “Ballschule leicht gemacht”

In der „Ballschule leicht gemacht“ ist deshalb das oberste Ziel nicht die schnelle Gewichtsabnahme, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit die Vermittlung von Kompetenzen. Damit sollen die Kinder mehr Erfolgserlebnisse und somit mehr Spaß am Sporttreiben mit ihren Altersgenossen haben und sich die Wahrscheinlichkeit eines bewegungsaktiven und gesundheitsfördernden Lebensstils erhöhen. Das Sportprogramm der „Ballschule – leicht gemacht“ wird mit einem Schwerpunkt auf der Vermittlung allgemeiner ballsportbezogener Inhalte auf der Grundlage der Ballschule Heidelberg durchgeführt. In den Jahren 2006 bis 2010 wurde das Programm im Rahmen einer kontrollierten interdisziplinären Studie evaluiert. Über 150 Kinder nahmen in Heidelberg und Mannheim über sechs Monate hinweg an einer von vier Programmvarianten teil. Dabei wurden die Therapiebausteine Ernährungsberatung und Bewegungsförderung gemeinsam oder getrennt voneinander angeboten, um die unterschiedlichen Wirkungen auf die Entwicklung der übergewichtigen Kinder zu untersuchen.

Ergebnis

Die Auswertungen der motorischen Leistungstests zeigen deutliche Verbesserungen bei den Kindern, die an der Bewegungsförderung teilgenommen haben. Sie betreffen einerseits die koordinativ-motorische Lernfähigkeit und andererseits die konditionelle Belastbarkeit der Kinder bei Ausdaueranforderungen. Diese Fähigkeiten sind Voraussetzungen für das Bewegungslernen, z. B. im Schulsport oder bei der Einführung neuer Sportarten. Bei den Kindern, die die Ballschule besucht haben, ist im Vergleich mit den nicht behandelten Studienteilnehmern zudem eine deutliche Verbesserung der Spielfähigkeit zu erkennen. Das Spielen-Können stellt eine wichtige Kompetenz im Bewegungs- und Handlungsrepertoire von Grundschulkindern dar, ohne die sie von vielen gemeinschaftlichen Aktivitäten beispielsweise auf dem Schulhof oder in der Freizeit ausgeschlossen sind. Auch bei den medizinischen Parametern zeigte sich ein Vorteil für die Kinder, die an dem Bewegungs- und Ernährungsprogramm teilgenommen haben. Sie haben nicht nur weniger zugenommen, sondern wiesen auch bessere Werte bei der Vermessung der Arterienwanddicke per Ultraschall auf. Auch nach Abschluss der Studie 2010 wird die ”Ballschule – leicht gemacht” weiterhin als fester Bestandteil des Nachmittagsangebots an der Neckarschule in Mannheim, einer Schule in einem sozialen Brennpunktviertel, durchgeführt und von den Kindern mit großer Begeisterung aufgenommen. Da viele der Kinder aus Familien mit einem sehr geringen Einkommen stammen, sind die AGs der Schule oftmals die einzige Möglichkeit für die Kinder, an einem qualifizierten Bewegungsangeot teilzunehmen.

Werfen Sie außerdem gerne einen Blick in den Flyer des Projekts.