Ballschule INKLUSIV

Hintergrund
In den vergangenen Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen im Kindesalter stetig weiterentwickelt und so zu deutlich höheren Heilungsraten geführt. Die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit liegt heute bei ca. 80 %. Trotz der sich immer weiter verbessernden Therapiemöglichkeiten bleibt die Behandlung durch Chemotherapie und je nach Krebsentität auch durch Operation und Strahlentherapie für die Betroffenen sehr intensiv.

Bei Vorliegen einer pädiatrisch-onkologischen Erkrankung findet an der Schnittstelle zu Schul-, Vereins- und Freizeitsport aktuell keine strukturierte Förderung zur Wiederaufnahme von körperlicher Aktivität statt. Die vorliegende Studie bzw. das Projekt „Ballschule INKLUSIV“ untersuchte die patientenbezogenen Einstellungen sowie den Integrationsstatus pädiatrischer Patienten in außerschulische Sportstrukturen (Teil I). Anschließend galt es das inklusive Bewegungsprogramm „Ballschule INKLUSIV“ einer Machbarkeitsprüfung anhand einer Einzelfallanalyse zu unterziehen (Teil II).

Methode
Zur Feststellung der sportbezogenen Einstellungen und des Integrationsstatus wurden die Eltern krebskranker Kinder mittels Leitfadeninterview befragt (n=14). Die Auswertung der Daten erfolgte nach den Grundsätzen der qualitativen Datenanalyse (Kuckartz, 2014). Alle Interviews wurden mit Hilfe der Software MAXQDA kategorisiert und ausgewertet. Im Rahmen der Machbarkeitsanalyse wurden neben Eltern- (n=4) und Experteninterviews (n=3) zusätzlich eine Teilnehmende Beobachtung sowie eine Fragebogenerhebung zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (KINDL-Fragebogen) eingesetzt. Ergänzend kam im Rahmen der Praxiseinheiten eine Videoanalyse zum Einsatz.

Ergebnisse
Bei allen Patienten (n=14) zeigte sich nach Abschluss der Akuttherapie ein reduziertes Aktivitätslevel und es konnten verschiedene Hemmnisse (z.B. motorische Defizite, verminderte Selbstwirksamkeitserwartung) identifiziert werden, welche der Teilnahme an außerschulischen Sportangeboten entgegenstehen. Gleichzeitig besteht ein großer Bedarf an spezifischen Sportförderprogrammen in der pädiatrischen Krebsnachsorge. Die Eltern bewerteten die Notwendigkeit eines Nachsorgeangebotes wie der Ballschule INKLUSIV mit der höchsten Relevanz (9,8) (Skala: 0-10). Als besonders förderlich nannten 95% der Befragten Sportangebote, welche in der Gruppe sowie unter Anleitung eines geschulten Übungsleiters stattfinden. Im Rahmen der Machbarkeitsprüfung erwies sich das Konzept „Ballschule INKLUSIV“ als durchführbar und wurde darüber hinaus äußerst positiv bewertet. Die Patientin konnte in der Fremdbeurteilung der HRQL zum Messzeitpunkt t2 in allen Subkategorien, ausgenommen „Psychisches Wohlbefinden“, verbesserte Werte erzielen, vor allem aber in der Subkategorie „Selbstwert“ (mwt1 = 75,3; mwt2 = 87,5).

Diskussion
Bestehende Hemmnisse (z.B. vermindertes Selbstkonzept, eingeschränkte Leistungsfähigkeit), welche nach einer pädiatrisch-onkologischen Erkrankung das Aktivitätslevel reduzieren, können durch individualisierte Lösungswege überwunden werden. Dazu bedarf es zielgruppengerechter Bewegungsprogramme, welche dezentral angeboten werden. Die „Ballschule INKLUSIV“ bietet hier einen innovativen Ansatz. Insgesamt müssen aber noch weitere Erkenntnisse durch höhere Fallzahlen gewonnen werden, um das Projekt nachhaltig in die Versorgungsstrukturen zu integrieren.