China

Ballschule in China
Wir werden die Ballschule in ganz China einführen, zunächst in den Grundschulen von Peking, dann in ganz China“ (Yang Zhihai, 9. April 2015; Nationaler Chinesischer Minister und Präsident des Chinese Committees for the Wellbeing of the Youth).

Das Treffen mit dem Minister Yang Zhihai im Regierungszentrum in Peking war der Höhepunkt des sechstägigen Aufenthalts eines Ballschulteams vom 7. bis zum 12. April 2015 in Peking. Aus der Aussage von Yang Zhihai resultiert eine enorme und auch realistische Expansionsmöglichkeit für das Ballschulprojekt. Die bisherige Anzahl von Ballschulkindern im Grundschulalter würde von einem fünfstelligen in einen neunstelligen Zahlenbereich „hochkatapultiert“: in China gibt es etwa 100 Mio. Schüler in der Primarstufe.

Die Vorgeschichte: Die erste Kooperationsanfrage des Chinese Committees for the Wellbeing of the Youth erreichte die Ballschule Anfang des Jahres 2014. Geplant war, dass eine hochkarätige Delegation von Politikern und Experten aus Peking im Mai 2014 zu einem ersten persönlichen Kennenlernen und zur inhaltlichen Befassung mit dem Konzept der Ballschule nach Heidelberg kommen sollte. Das Programm für ihren Aufenthalt – u. a. mit Empfängen beim Kultusminister des Landes Baden-Württemberg, dem Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, dem Rektor der Universität Heidelberg und mit einer Pressekonferenz (unter Beteiligung des ehemaligen chinesischen Fußball-Nationaltrainers Klaus Schlappner) – war bereits vollständig vorbereitet. Die kurzfristige Absage der chinesischen Delegation hatte offenkundig den Grund, dass von höchsten Regierungsstellen noch einmal angeordnet wurde, zusätzlich weitere internationale Ballspielkonzepte für Grundschulkinder zu analysieren.

Die vergleichende Bewertung führte zu der endgültigen Entscheidung, das Programm der Ballschule in den Reformprozess des chinesischen Grundschulsports einzubeziehen. Im März erhielt ein vierköpfiges Ballschulteam (Prof. Dr. Klaus Roth, Dr. Ulrike Hegar, Markus Schmid, Lisa Halkenhäuser) eine Einladung für einen Aufenthalt in Peking.

Der Besuch: Das Treffen mit den chinesischen Projektpartnern war geprägt durch viele gemeinsame Treffen und Besprechungen mit Entscheidungsträgern unterschiedlicher politischer Hierarchiestufen. Neben dem Termin beim Minister Yang Zhihai wurden vor allem enge und freundschaftliche Kontakte zum Leiter des Chinese Committees for the Wellbeing of the Youth des Distrikts Peking, Herr Li Rongxi, aufgebaut. Für die Organisation des Ballschulbesuches war die Verwaltungsleiterin des Committees, Frau Liu Jianjun, zuständig. Das Ballschulteam hatte den Stellenwert von Staats-/Regierungsgästen und wurde von drei Dolmetschern kontinuierlich betreut.

Die Vorstellung des Ballschulkonzeptes und auch des Programms der Mini-Ballschule erfolgte über drei Theorievorträge von Prof. Dr. Klaus Roth vor Schulpolitikern, Grundschuldirektoren, Lehrern und Erzieherinnen. Zur Demonstration der praktischen Umsetzung wurden über zwei Tage hinweg von Dr. Ulrike Hegar, Markus Schmid und Lisa Halkenhäuser Ballschul-Musterstunden mit Kindergarten- und Grundschulkindern eines chinesischen Erziehungszentrums durchgeführt. Die Begeisterung bei den Jungen und Mädchen war groß. Für alle Beteiligten wurde ersichtlich, dass die Einführung der Ballschule in China mit einem hohen Gewinn hinsichtlich der motorischen Frühförderung und des Wohlbefindens der Kinder verbunden wäre.

 

07.05.2015 565

 

Die Perspektive: Die konkreten Maßnahmen zur Ausgestaltung der Kooperation sind noch weitgehend offen. Zum jetzigen Zeitpunkt (Mai 2015) ist vorgesehen, dass eine chinesische Delegation vor der Sommerpause nach Heidelberg eingeladen wird. Ziel des Besuchs ist die Besprechung und Unterzeichnung einer Vereinbarung bzw. eines Vertrags. Ein Vorschlag hierfür wird von dem Chinese Committee for the Wellbeing of the Youth erarbeitet werden. Die wichtigsten Festlegungen betreffen die organisatorische Form der Zusammenarbeit (z. B. die Gründung eines Deutsch-Chinesischen Instituts, die Anbindung an Regierungsorganisationen) und die inhaltlich-fachliche Umsetzung (z. B. über die Ausbildung von Master-Coaches, Professional Coaches, Grundschullehrer und Erzieherinnen). Angedacht ist ein Multiplikatorensystem, das zumindest mittelfristig von der Ballschule Heidelberg mitverantwortet und begleitet werden müsste.
Die Ballschule in ganz China ist im Moment weder Utopie noch eine völlig „beschlossene Sache“. Sie hat den Status einer chancenreichen Vision.